Diskriminierung am Arbeitsplatz – ein immerwährendes Problem, das nun aber endlich behoben werden soll. 50 namhafte Unternehmen und Organisationen haben vor kurzem eine Deklaration gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV im Arbeitsleben unterzeichnet. Ein Umdenken in diese Richtung war schon längst überfällig, schließlich ist HIV heute nicht mehr unbedingt ein Todesurteil. Die Medizin ist mittlerweile auf so einem modernen Stand, sodass HIV nicht mehr zwingend ansteckend ist, wenn die Betroffenen unter der Nachweisgrenze sind. Und obwohl die Infektion der Leistungsfähigkeit nicht im Weg steht, gibt es für Menschen mit HIV oft ein anderes Problem: die Diskriminierung.

Bereits seit 2010 gibt es die Kampagne #positivleben, die sich gegen Diskriminierung HIV-positiver Menschen einsetzt. Zu den Unterstützern zählen große Unternehmen wie IBM, Bosch, die Deutsche Bank, die Deutsche Bahn, Tech Data – genau zum passenden Zeitpunkt, denn am 13. Juni beginnt der Deutsch- Österreichische Aids-Kongress.

 

Alle gemeinsam machen wir deutlich: HIV braucht im Arbeitsalltag überhaupt keine Rolle zu spielen. Einem ganz normalen kollegialen Umgang steht nichts im Wege. Wir appellieren an alle Menschen in der Arbeitswelt: Tragen Sie dieses Wissen auch in Ihr Umfeld! Es schafft Erleichterung für alle Beteiligten.” – so DAH-Vorstand Winfried Holz.
 

 

EIN UMDENKEN MUSS HER!

 

 

Der Diskriminierung zugrunde liegen dabei meist völlig veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV, irrationale Ängste vor einer Übertragung und unzulässige moralische Bewertungen. Zudem wird behauptet, dass HIV-positive Personen häufiger krank wären als andere, eine Gefahr für ihr soziales Umfeld darstellen und schlecht für das Image eines Unternehmens sind. In einigen Unternehmen – vor allem im Gesundheitswesen – gehört sogar der HIV-Test immer noch zur Einstellungsuntersuchung, obwohl er rechtlich unzulässig und das Ergebnis für die Arbeit unerheblich ist. Dies sind Zustände, die unbedingt geändert werden müssen, vor allem da sie auf falschen und längst überholten Tatsachen basieren.

 

 

Die Medizin hat HIV heute gut im Griff. Die Infektion muss keine Einschränkung mehr bedeuten. Ängste vor einer Übertragung bei der Zusammenarbeit waren schon immer unbegründet. Unter Therapie ist eine Übertragung von HIV prinzipiell nicht mehr möglich. Im Arbeitsalltag ist HIV irrelevant.“, so Prof. Dr. Hans-Jürgen Stellbrink, Präsident des Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses.
 

HIV ALS DIVERSITY-PLUSPUNKT?

 

Die beteiligten Unternehmen begreifen die Deklaration sowohl als Frage individueller Rechte, als auch als Teil ihrer Diversity-Strategien. Sie wissen: Ausgrenzung und die Angst davor machen krank und schaden dem Unternehmen. Akzeptanz ist unerlässlich für ein produktives Betriebsklima. „Wir haben keine Angst vor Vielfalt. Vielfalt ist für uns wichtig, denn Vielfalt bedeutet Innovation. HIV ist für uns eine von zahlreichen Facetten”, sagt Dr. Ernesto Marinelli, Senior Vice President und Head of HR bei SAP. Auch Axel Wedler, offen HIV-positiver Senior Manager bei IBM erklärt, wie wichtig ihm die Rückenstärkung seiner Führungskräfte ist. Dies ist ausschlaggebend dafür, mit dem Thema offen umzugehen und somit auch ein Ansprechpartner für andere Betroffene zu sein. Das fördere Offenheit und Akzeptanz sogar über das Thema HIV hinaus.

 

Weitere Informationen und welche Unternehmen die Deklaration noch unterschrieben haben findet ihr HIER
 

 

Text: Iris Poltsch
Quelle: positiv-arbeiten